Auslandstierschutzhunde

Der Entscheidungsprozeß

Die Welt wird immer kleiner, die Wege zwar wirklich nicht kürzer, aber es wird unproblematischer sie zu überwinden. Bilder aus anderen Kulturen in denen Hunde einen vielleicht geringeren Stellenwert haben als bei uns oder besonders erschreckende Einzelschicksale bringen immer mehr Hunde aus dem Ausland zu uns nach Deutschland. Viele Menschen möchten helfen und rettend eingreifen, um einem Vierbeiner eine bessere Zukunft zu sichern. An dieser Stelle ist es wichtig immer wieder daran zu erinnern, dass auch die eigenen Tierheime ausreichend gefüllt sind und man zuerst dort nachfragen sollte, ob sich nicht ein geeigneter Kandidat zur Adoption findet. Die Vorteile liegen auf der Hand. Ich habe die Möglichkeit mein neues Familienmitglied besser kennenzulernen. Ich kann direkt mit Menschen sprechen, die sich seit Tagen, Wochen oder Monaten mit diesem Hund beschäftigen und mir deutlich mehr und oft ehrlicher Auskunft geben können, wie die oder der Auserwählte so drauf ist. Man kann diese Hunde anfassen, in natura erleben und „ausprobieren“ bevor sie daheim einziehen und somit unangenehme Überraschungen vielleicht umgehen.

 

Hunde sind schon lange ein Geschäft geworden und so finden sich immer mehr „Tierschutzorganisationen“, die weniger dem Tierschutz dienen als dem organisierten Verbrechen gleichen und nur auf das schnelle Geld aus sind. Viele Hunde kommen mit zweifelhaften Impfpässen nach Deutschland, viele tragen ansteckende Krankheiten mit sich herum, die dem neuen Halter verschwiegen werden. Die angeblich zutraulichen und familientauglichen Familienanwärter entpuppen sich als das genaue Gegenteil. Ersthundehalter aber auch erfahrene Hundehalter sehen sich oft mit Problemen konfrontiert, die sie überfordern. Die Vergangenheit eines Tierschutzhundes liegt oft in einer dunklen Vergangenheit, die teils unangenehme Überraschungen bereithält, auf die es zeitnah zu reagieren gilt. Über diese Vergangenheit wird im Training dann viel diskutiert und gemutmaßt, der Lösung kommt man damit aber nicht wirklich näher. Die Lösung einer Verhaltensauffälligkeit liegt in der Zukunft des Halters nicht in der Vergangenheit des Hundes.

 

Glücklicherweise gibt es ausreichend positiven Beispiele von extrem gut sozialisierten Hunden, die durch ihre Zeit auf der Strasse gelernt haben, perfekt mit anderen Hunden zu kommunizieren. Die Kandidaten, die gesundheitlich in einem Topzustand sind, weil sie sehr gutes genetisches Material mitbringen („Survival of the fittest“ - im eingedeutschten Sinn) und vor der Ausreise medizinisch „instand“ gesetzt wurden, bevor sie die lange Reise angetreten haben. Ohne diese Positivgeschichten, würde der Anteil an Auslandadoptionen bedeutend tiefer liegen.

Unter dem Strich muss ich mir aber ehrlicherweise eingestehen, dass ich bei einem Hund aus dem Auslandstierschutz in erster Linie nach dem Äußeren gegangen bin und mehr oder weniger einen Hund aus dem Katalog gekauft habe. Ich habe die hohe Wahrscheinlichkeit von ernstzunehmenden Verhaltensproblemen sowie die Gefahr von gesundheitlichen Defiziten wissentlich in Kauf genommen, wenn auch vielleicht verdrängt.

 

Sofern ich den oben angerissenen Denkprozess für mich durchlaufen habe und meine Wahl aktiv auf einen Hund aus dem Auslandstierschutz gefallen ist, muss ich auch bereit sein, einen teils langen und kostenintensiven Weg zu gehen, um meinem neues Familienmitglied die bestmögliche Zukunft zu ermöglichen.