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Welcher Hund passt zu mir? Rido oder was?

„Jetzt auch noch ein Rido?“

 

Ach herrje. Ein Anruf und ich hab’s wieder mal nicht mitbekommen. Wer war es denn diesmal? Oh Olli. Brav und vorbildlich, wie er nun einmal ist, hat er meine Mailbox darüber informiert, was er von mir wollte. Und brav und vorbildlich, wie ich manchmal bin, rufe sogleich zurück. Wir haben uns lange nicht unterhalten, es gibt viel zu erzählen.

 

„Wie läuft’s? Die Welt ist böse und gemein, bei Dir?“

 

„Die Welt ist böse und gemein!“

 

Gut, das hätten wir geklärt.

 

Nach ca. 30 Minuten haben wir ein Treffen vereinbart und sind kurz vor Abschluss des Telefonats als Olli mir noch eine Neuigkeit zu erzählen hat.

 

„Wir schaffen uns jetzt auch einen Hund an. Eine Mischung aus Rhodesian Ridgeback und Dogge!“

 

Ich will das nicht, aber mein Gehirn macht es wieder, ohne dass ich Einfluss darauf hätte: Es arbeitet!

 

‚DOGGE KOMMA DIE: SEHR GROSSER HUND MIT BEDENKLICHER KRANKENAKTE, KNOCHENBAU ANFÄLLIG, GEFAHR EINER MAGENDREHUNG ÜBERDURCHSCHNITTLICH AUSGEPRÄGT, SANFTE RIESEN, DIE UNGESTÜM UND TOLPATSCHIG SPIELEN UND KOMMUNIZIEREN UND DESWEGEN BESONDERS OFT VON MENSCHEN MISSVERSTANDEN WERDEN.‘

 

‚RHODESIAN RIDGEBACK KOMMA DER: GROSSER HUND URSPRÜNGLICH AUS AFRIKA IRGENDWAS MIT LÖWENJAGD, MOMENTAN MODEHUND, SENSIBLE, OFT MISVERSTANDEN UND NACH FALSCHER BEHANDLUNG EIN KANDIDAT FÜR’S TIERHEIM.‘

 

Der Mathematische Teilbereich meines Cortexes nimmt Fahrt auf. Eine leichte Addition, das krieg ich auch zu später Stunde noch hin:

 

Mischung aus zwei Rassen, die einen weichen Charakter überspielen

 

+

 

einen gesundheitlich anspruchsvollen Hintergrund haben

 

+

 

Ersthalter

 

=

 

KEINE GUTE KOMBINATION

 

Um die Euphorie des zukünftigen Hundehalters nicht zu bremsen, bemerke ich anerkennend: „Eine tolle Mischung. Aber viel Arbeit. Für einen Ersthundebesitzer wie Dich stellt das einige Herausforderungen bereit. Hast Du denn eine gute Hundeschule?“

 

Olli bejaht und ich mache mir einen Knoten ins Taschentuch, um bei unserem baldigen Treffen auf jeden Fall genauer nachzufragen, welche es ist und dann mal Nachforschungen anzustellen in der Hoffnung, dass sie wirklich gut ist.

 

Olli redet weiter und erklärt mir jetzt noch so etwas Beunruhigendes vom „Rudelführer“ der er werden will. Die nächste Nachricht hat etwas Beruhigendes und sogleich zutiefst Beunruhigendes. Er plant den Hund gleich von Anfang an immer dabei zu haben wenn er als Vertreter seine Kreise zieht…

 

Das Telefonat ist beendet, meine Frau Rijeka hat sogleich das Internet befragt und wir starren auf eine Seite wo der RiDo, also eine Mischung Ridgeback und Dogge beworben wird. Die Beschreibung, die wir hier finden, ist nahezu identisch zu so unzähligen Web-Seiten anderer Züchter vom Chihuahua bis zum Scottish Deerhound und wir starten zu einer Runde unseres beliebten Bull-Shit-Bingo’s:

 

‚Familienhund, besonders kinderlieb, ruhig, ausgeglichen, wenig Jagdtrieb, mit Katzen und Kleintieren verträglich,…‘

 

„BINGO!“ ruft meine Frau. Mist, diesmal war sie schneller! Mir hatte noch‚ ideal als Anfängerhund‘ gefehlt.

 

Die Internetseite klärt uns weiterhin über diese unnachahmlich-hervorragende Kreuzung auf, die doch bitte bald als echte Rasse anerkannt werden soll. Kurz zusammengefasst: Der Züchter kann nicht verstehen, wie die Welt bisher ohne diesen Hund ausgekommen ist!“

 

Neben aller Variationen an ‚Oodles‘, ‚Poos‘, ‚Uggles‘ und ‚Labbies‘ jetzt also der ‚Rido‘.

 

Warum bitte? Weil sich Menschen einreden lassen, dass unter 360 zugelassenen und 700 nicht zugelassenen Hunderassen keine dabei ist, die perfekt und individuell genug für meine ganz eigenen Ansprüche ist? Na gut. Wir bekommen erfolgreich eingetrichtert genveränderte Pflanzen zu boykottieren, warum soll es nicht auch anders herum klappen. Also noch ein Designerhund, der alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt.

 

Aber bitte lieber Hundeinteressent, bitte, bitte, glaube nicht alles, was Du so liest und erzählst bekommst, sondern nutz ein wenig Dein Gehirn. Hunderassen die jahrhundertelang für die Jagd selektiv gezüchtet wurden, und da gehören diese ‚Oodles‘, ‚Poos‘, ‚Uggles‘ und ‚Labbies‘ alle hinein, legen ihren Jagdtrieb nicht binnen weniger Generationen ab. Ein ‚Rido‘, (der unfairerweise hier nur als Platzhalter herhalten muss), besteht zu einer Hälfte aus einem Hund der ursprünglich auf Löwen und Großwild angesetzt wurde und zur anderen Hälfte aus einem sehr großen Vertreter einer FCI-Hundegruppe in der wir viele Listenhunde wiederfinden. Beides zusammen macht genetisch keinen perfekten Familienhund für Ersthundebesitzer!

 

Ich liebe Hunde, ich freue mich auf meinen ersten Rido, der mir irgendwo im Park oder Wald ungestüm spielend begegnet. Aber ich möchte diese erste Begegnung nicht in einem Tierheim erleben müssen, wo ein sehr großer Hund, mit dem Zertifikat „BEISST!!!“ nicht weitervermittelt wird und 10 Jahre in Einzelhaft auf sein Ende wartet.

 

Thies Son (aus: Mein Leben als zertifikatierender Hunde-Bio-Verhaltensconsultant)



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